Wie verändern globale Spannungen die Art und Weise, wie Unternehmen arbeiten?

Die aktuellen geopolitischen Spannungen verändern die meisten Geschäftsabläufe grundlegend. Im Jahr 2026 werden Entscheidungen nicht mehr nur von Kosten und Effizienz bestimmt, sondern zunehmend auch von der Sicherheit der Lieferketten, der digitalen Souveränität und der Industriepolitik. Vier große globale Blöcke – der asiatisch-pazifische Raum, die USA, Europa und der Nahe Osten – prägen heute die Geschäftsdynamik und erfordern von Führungskräften, geopolitische Entwicklungen kontinuierlich zu beobachten und szenariobasierte Entscheidungsprozesse anzuwenden.

Asien-Pazifik

Der asiatisch-pazifische Raum bleibt ein wichtiger Wachstumsmotor, doch Überlegungen zur wirtschaftlichen Sicherheit beeinflussen die Politik zunehmend. Die Regierungen verstärken ihre industriepolitischen Maßnahmen in strategischen Sektoren wie der fortschrittlichen Fertigung, Dual-Use-Technologien und künstlicher Intelligenz und regionalisieren gleichzeitig die Lieferketten, um die Abhängigkeit vom Ausland zu verringern.

Multilaterale Handelsabkommen, darunter das CPTPP, verdeutlichen die wachsende Bedeutung alternativer Handelskorridore. Der Beitritt des Vereinigten Königreichs im Jahr 2024 unterstreicht die Attraktivität dieses Rahmens zusätzlich.

Gleichzeitig führt die regulatorische und technologische Fragmentierung in der Region zu steigenden Compliance-Kosten. Unternehmen reagieren darauf, indem sie wichtige Funktionen wie Forschung und Entwicklung oder die Verarbeitung sensibler Daten näher an den Endmärkten ansiedeln. Dieser Ansatz erleichtert die Einhaltung von Vorschriften, beschleunigt die Entscheidungsfindung und mindert das operative Risiko.

USA

Nordamerika ist zunehmend von regulatorischer Volatilität geprägt, wobei handelspolitische und politische Entscheidungen direkte Auswirkungen auf die Geschäftsbedingungen haben. Die USA setzen weiterhin strategisch auf Zölle und Exportkontrollen, insbesondere im Bereich der Spitzentechnologien und des gesamten KI-Ökosystems.

Diese Maßnahmen treiben die Kosten in die Höhe und sorgen für Unsicherheit in den ohnehin schon angespannten Lieferketten. Auch im Jahr 2026 bleiben Zölle und Exportkontrollen zentrale Instrumente der „Wirtschaftspolitik“, während selektive Deregulierungsmaßnahmen die Lage zusätzlich verkomplizieren. Unternehmen müssen verschiedene Szenarien einkalkulieren, ihre Lieferanten und Standorte diversifizieren und widerstandsfähige Betriebsmodelle aufbauen.

Europa

Die EU strebt eine größere Selbstversorgung und mehr Kontrolle über kritische Sektoren an. Zu den Strategien gehören die Förderung europäischer Produkte und Lieferanten, der Ausbau der technologischen Kapazitäten (Cloud und KI) sowie die Einführung der CBAM, um gleiche Wettbewerbsbedingungen hinsichtlich der CO₂-Kosten zu schaffen.

Europa gestaltet zudem seine Handelsbeziehungen gezielt neu (so ermöglicht beispielsweise das Mercosur-Abkommen mit seinem Interimsabkommen eine schnellere Umsetzung der Vorteile in den Bereichen Handel und Regulierung). In der Praxis führt dies zu einer Lokalisierung von Wertschöpfung – Daten, KI-Lösungen, Schlüsselkomponenten und Forschung und Entwicklung – sowie zu kürzeren, regionalisierten Lieferketten.

Dieser Schritt ist teils strategischer Natur, teils eine Reaktion auf aktuelle Entwicklungen: Geopolitische Risiken, interne Spannungen, die Abhängigkeit von den USA in Sicherheitsfragen sowie externer Druck wie US-Zölle und chinesische Exportbeschränkungen führen zu steigenden Kosten und zunehmender Unsicherheit. Die EU reagiert darauf mit koordinierten regulatorischen, technologischen und sicherheitspolitischen Maßnahmen und stellt die operative und finanzielle Widerstandsfähigkeit in den Mittelpunkt ihrer Strategie.

Naher Osten

Die Golfregion bringt langfristige Entwicklungsziele mit kurzfristiger Stabilität in Einklang. Investitionen in KI, Technologie und wirtschaftliche Diversifizierung stehen im Spannungsfeld mit geopolitischer Unsicherheit, insbesondere im Zusammenhang mit dem Iran.

Unternehmen agieren in einem „Informationsnebel“, in dem Nachrichten bruchstückhaft und oft widersprüchlich sind, was die Risikoeinschätzung erschwert. Steigende Militärausgaben deuten auf Vorbereitungen für anhaltende Spannungen hin, während die Modernisierung weiterhin neue Wettbewerbsvorteile schafft.

Die Region positioniert sich als:

✤ Technologie- und Digitalzentrum,

✤ Finanzzentrum, das Kapital aus aller Welt anzieht,

✤ Logistik-Drehscheibe,

✤ Ein wachsendes Ökosystem aus Talenten und Innovationen.

Die Chancen sind real, doch bestehen weiterhin Risiken – insbesondere auf den Energiemärkten, wo eine Eskalation im Zusammenhang mit dem Iran zu Versorgungsengpässen und Preisschwankungen führen könnte.

Near- und Friendshoring in einer geopolitisch instabilen Welt

Im Jahr 2026 haben sich Nearshoring und Friendshoring zu zentralen Instrumenten des Risikomanagements entwickelt. Die Verlagerung von Betriebsabläufen näher an die Endmärkte (Nearshoring) oder in politisch und regulatorisch „vertrauenswürdige“ Länder (Friendshoring) trägt dazu bei, das Risiko von Zöllen, Exportbeschränkungen, Konflikten oder regulatorischen Änderungen zu verringern.

Die wichtigsten Vorteile:

✤ strengere behördliche Kontrollen und die Einhaltung lokaler Vorschriften (insbesondere in Bezug auf KI und Daten),

✤ kürzere, besser planbare Lieferketten,

✤ schnellere Entscheidungen und operative Flexibilität,

✤ Möglichkeit, Redundanzen und Ausweichstandorte einzurichten, um die Geschäftskontinuität zu gewährleisten.

Wichtigste Herausforderungen:

✤ höhere Kosten als beim herkömmlichen Offshoring,

✤ zunehmende Komplexität bei Betrieben mit mehreren Standorten,

✤ Gefahr einer „scheinbaren Widerstandsfähigkeit“, wenn die Umstellungen nicht durch echte Flexibilität gestützt werden.

Resilienz muss in die Betriebsabläufe integriert werden und darf nicht nur deklariert werden. Outsourcing-Modelle benötigen heute integrierte Redundanz, Flexibilität bei den Dienstleistungen, klare Kontrollmechanismen für Subunternehmer sowie vertragliche Regelungen, um auf regulatorische und geopolitische Veränderungen reagieren zu können.

In einer Welt mit unterschiedlichen Vorschriften für KI und Technologie ermöglichen Near- und Friendshoring es Unternehmen, sich lokal anzupassen, rechtliche Risiken zu minimieren und die Vorhersehbarkeit ihrer Betriebsabläufe zu verbessern.

Fazit

Friendshoring und Nearshoring beseitigen die Unsicherheit zwar nicht, machen sie aber beherrschbar. Im Jahr 2026 beruht der Wettbewerbsvorteil eher auf Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit als allein auf Kostenminimierung.

Unsere Sichtweise: Wir arbeiten unter denselben Rahmenbedingungen wie unsere Kunden

Diese Veränderungen spiegeln auch eine Herausforderung wider, die wir in unserem eigenen Unternehmen beobachten. Als Dienstleister agieren wir im gleichen geopolitischen und regulatorischen Umfeld wie unsere Kunden und sehen uns ähnlichen Herausforderungen in Bezug auf Ausfallsicherheit, Compliance und operative Flexibilität gegenüber.

Unsere Aufgabe besteht daher nicht nur darin, Dienstleistungen zu erbringen, sondern dabei zu helfen, diese Komplexität auf pragmatische Weise zu bewältigen. Das bedeutet, dass wir Leistungsmodelle entwickeln müssen, die anpassungsfähig und regional ausgerichtet sind und sich an veränderte regulatorische und geopolitische Rahmenbedingungen anpassen können.

Kunden schätzen zunehmend Partner, die sich mit ihnen weiterentwickeln, anstatt nur für sie zu arbeiten. Die Entscheidung für eine Zusammenarbeit mit uns hängt oft weniger allein von der Kostenoptimierung ab, sondern vielmehr von Vorhersehbarkeit, Nähe und der Fähigkeit, Kontinuität in verschiedenen Szenarien zu gewährleisten.

In diesem Zusammenhang beobachten wir eine zunehmende Annäherung an eine breitere Gruppe zukunftsorientierter Organisationen – solche, die Resilienz, dezentrale Betriebsabläufe und langfristige Stabilität gegenüber kurzfristigen Effizienzgewinnen priorisieren. Am meisten geschätzt wird dabei nicht eine einzelne Kompetenz, sondern die Fähigkeit, operative Umsetzung mit einem Verständnis für das übergeordnete Umfeld zu verbinden, in dem diese Abläufe stattfinden.

Letztendlich entwickelt sich das Partnerschaftsmodell weiter: weg vom transaktionalen Outsourcing hin zu einem stärker kooperativen Ansatz, um Kontinuität und Anpassungsfähigkeit zu gewährleisten.|

Zusammenfassung

✤ Globale geopolitische Spannungen führen zu einer Neugestaltung von Geschäftsmodellen und des Lieferkettenmanagements.

✤ Vier große Regionen (Asien-Pazifik, USA, Europa, Naher Osten) führen zu regulatorischer und strategischer Komplexität.

✤ Near- und Friendshoring sind wichtige Instrumente zur Risikokontrolle und bieten Flexibilität, Planbarkeit und Kontinuität.

✤ Unternehmen müssen Resilienz in ihre Betriebsabläufe integrieren, einschließlich Redundanz, Mobilität und Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, um ihren Wettbewerbsvorteil zu sichern.

✤ Die Führung muss verschiedene Szenarien in Betracht ziehen und schnell auf geopolitische Veränderungen reagieren.